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12/09/2008

Kolchoznaja žizn' na Urale 1935-1953

Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 56 (2008)

Kolchoynaja zizn, na Urale 1935-1953 (Kolchosleben im Ural 1935-1953). Sostav. Ch. Kessler i G. E. Kornilov. Izdat. Rosspen, Moskva, 2006. 911 S., Tab.= Serija „Dokumenty sovetskoj istorii“.

 

Diese umfangreiche Quellenedition zur Geschichte des ländlichen Raums im Ural von 1935 bis 1953 erschien in der angesehenen Reihe „Dokumente zur sowjetischen Geschichte“, zu deren Redaktionskollegium unter anderen Sheila Fitzpatrick und Nicolas Werth gehören. In der in Hinblick auf den Anspruch des Bandes etwas zu kurz geratenen Einführung wird das Leben der Landbevölkerung in der dargestellten Periode unter den Stichwörtern „Kollektivierte und individuelle Produktion“, „Modernisierung“, „Arbeitspflicht und Repression“, „Mangel“, „Vorkriegskompromiss und Stärkung des Kolchossystems“, „Kriegszeit im Hinterland“ sowie „Wiederherstellung und Restrukturierung“ zusammengefasst.

            Der anschließende Quellenteil zerfällt in drei Perioden: Die Jahre 1935-1941, die Kriegszeit 1941-1945 und die Jahre vom Kriegsende bis zum Tode Stalins 1945-1953. Innerhalb dieser Zeitabschnitte werden die Quellen weiter nach einem identischen Muster in Abschnitte gegliedert. Auf die Dokumente zur Agrarpolitik des Staates mit Berichten von lokalen an übergeordnete Stellen und Stenogrammen von Versammlungen örtlicher Funktionsträger in Partei und Staat folgt das Kapitel „Die Stimme des Bauern“, in dem überwiegend einfache Kolchosmitglieder in Briefen an Zeitungen und Sowjetführer auf Missstände aufmerksam machen. Unter dem Punkt „Versorgung“ kommt in der Regel die Ernährungslage der Bauern zur Sprache. Im folgenden werden „Kultur und Alltagsleben“ thematisiert, wobei es sich in erster Linie um Fragen zur Durchführung der staatlichen Propaganda unter den Kolchosbauern handelt. Aber auch Aspekte wie die antireligiöse Politik des Staates werden thematisiert.

            In jeder der drei Perioden setzen die Hrsg. Unterschiedliche Schwerpunkte. In den Quellen zu den Vorkriegsjahren taucht oft das Ziel des Regimes auf, die private Nutzung von Kolchosland zu beschränken. Die Die Zeitungsberichte über einen regionalen Schauprozess gegen angebliche Saboteure in der Landwirtschaft machen das geistige Klima des Großen Terrors nachfühlbar. In dem sich anschließenden Teil zu den Kriegsjahren werden zunächst einige Dokumente dargeboten, die den heroischen Geist des gemeinsamen Kampfes gegen die faschistischen Eindringlinge beschwören. Dem folgt aber – und zwar in allen Abschnitten – eine derartige Menge von Quellen über Verrat, Diebstahl und Betrug, dass sich der Eindruck aufdrängt, die Hrsg. Hätten absichtlich das anfängliche Bild der patriotischen Begeisterung relativieren wollen.

            Die Dokumente, die aus allen relevanten regionalen und zentralen Archiven stammen, sind überaus sorgfältig ausgewählt. Es tauchen keine redundanten Informationen auf, und aus den vielen Einzelstücken ergibt sich schließlich ein präzises Gesamtbild des ländlichen Lebens im Ural im abgehandelten Zeitraum. Allerdings ist der Anmerkungsapparat mit Informationen zu Entscheidungen der Zentrale etwas zu knapp geraten. Trotzdem kann man zusammenfassend feststellen, dass mit dieser eindrucksvollen Quellenedition das Ziel, ein Standardwerk zu schaffen, in jeder Hinsicht erreicht wurde.

                                                                                  Georg Wurzer, Tübingen

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